Bulgarien Körperschaftsteuer vs. Deutschland: Direkter Vergleich 2026
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Deutschlands Körperschaftsteuerbelastung ist eine der höchsten unter den EU-Mitgliedstaaten. Bulgariens Pauschalsatz von 10 % ist einer der niedrigsten. Für ein inhabergeführtes Unternehmen kann der Unterschied über ein Jahrzehnt Hunderttausende von Euro ausmachen. Dieser Artikel geht die Zahlen ehrlich durch — einschließlich der Rahmenbedingungen, die ein einfaches „Verlagern Sie Ihre Gesellschaft nach Bulgarien" verhindern.
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1. Nominale Körperschaftsteuersätze
Deutschlands gesetzliche Körperschaftsteuer beträgt 15 %, aber diese Zahl ist isoliert betrachtet irreführend. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Körperschaftsteuer (was 0,825 Prozentpunkte ergibt) und die Gewerbesteuer — eine kommunale Steuer — die je nach Gemeinde von etwa 7 % in steuerlich günstigen Gemeinden bis über 17 % in Großstädten variiert. In Frankfurt oder München übersteigt der kombinierte effektive Satz regelmäßig 30 %.
Bulgariens 10-prozentiger Pauschal-Körperschaftsteuersatz gilt für alle Gewinne, unabhängig von Unternehmensgröße, Branche oder Gemeinde. Es gibt kein Äquivalent zur Gewerbesteuer. Es gibt keinen Solidaritätszuschlag. Der auf dem Papier stehende Satz ist der tatsächlich gezahlte Satz.
2. Vollständige Steuerübersicht: Deutschland vs. Bulgarien
| Steuerposten | Deutschland (GmbH) | Bulgarien (EOOD) |
|---|---|---|
| Körperschaftsteuer | 15 % | 10 % |
| Solidaritätszuschlag | 0,825 % | 0 % |
| Gewerbesteuer | ~14–17 % (stadtabhängig) | 0 % |
| Effektiver kombinierter Körperschaftsteuersatz | ~30–32 % | 10 % |
| Quellensteuer auf Dividenden (WHT) | 25 % Abgeltungssteuer + Soli | 5 % |
| Standard-Mehrwertsteuersatz | 19 % | 20 % |
| Kombinierter Satz: KSt + Dividende | ~47–48 % | ~14,5 % |
Hinweis: Deutschlands Dividendensatz setzt voraus, dass die 25-prozentige Abgeltungssteuer auf den nach Körperschaftsteuer verbleibenden Gewinn angewendet wird. Die tatsächliche persönliche Steuer kann unter dem Teileinkünfteverfahren höher sein, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer ein Gehalt bezieht. Der Mehrwertsteuervergleich dient zur Veranschaulichung — grenzüberschreitende B2B-Lieferungen innerhalb der EU verwenden das Reverse-Charge-Verfahren, unabhängig vom Sitz des Lieferanten.
3. Mehrwertsteuerbehandlung
Bulgariens Standard-Mehrwertsteuersatz (20 %) liegt geringfügig über Deutschlands Satz (19 %). Für die meisten internationalen B2B-Transaktionen ist dies unerheblich: Wenn eine bulgarische mehrwertsteuerregistrierte Gesellschaft einem deutschen (oder anderen EU-)mehrwertsteuerregistrierten Unternehmen für Dienstleistungen eine Rechnung ausstellt, findet das Reverse-Charge-Verfahren Anwendung. Der bulgarische Lieferant berechnet 0 % Mehrwertsteuer; der deutsche Käufer selbst verbucht die Mehrwertsteuer in seiner eigenen Jurisdiktion. Es fließt keine Netto-Mehrwertsteuer.
Für B2C-E-Commerce an EU-Verbraucher gilt das EU-One-Stop-Shop-System (OSS): Sie berechnen Mehrwertsteuer zum Ländersatz des Käufers, unabhängig davon, wo Ihre Gesellschaft eingetragen ist. Eine bulgarische EOOD, die an deutsche Verbraucher verkauft, berechnet noch immer 19 % deutsche Mehrwertsteuer und zahlt diese über das OSS ab. Dies ist identisch mit dem Vorgehen einer deutschen GmbH.
4. Sozialversicherungsbeiträge für Tätige Geschäftsführer
Deutsche Geschäftsführer einer GmbH mit Mehrheitsbeteiligung werden im Allgemeinen als Selbstständige für die Sozialversicherung behandelt, d. h. sie unterliegen nicht der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungspflicht — viele entscheiden sich jedoch freiwillig für den Beitritt oder tragen private Versicherungen.
In Bulgarien muss der tätige Geschäftsführer sozialversichert sein. Die zwei Hauptoptionen:
- Managementvertrag (Договор за управление): Sozialversicherungsbeiträge auf der gesetzlichen Mindestbasis für Ihre Branche — ca. 100–250 €/Monat insgesamt, was bulgarische Kranken- und Rentenrechte gewährt.
- Selbstversicherter (СОЛ): Ein niedrigerer pauschaler monatlicher Beitrag von ca. 80–110 €/Monat. Einfacher, bietet aber geringere künftige Leistungsansprüche.
Diese Beträge sind im Vergleich zu deutschen Äquivalenten bescheiden. Ein deutscher GmbH-Geschäftsführer mit einem Gehalt von 60.000 € würde Sozialversicherungskosten (Arbeitgeber + Arbeitnehmer) von ca. 12.000–16.000 €/Jahr haben, wenn er sich in das gesetzliche System einbringt.
5. Rechenbeispiel: 200.000 € Gewinn
Betrachten Sie eine Softwareberatung, die 200.000 € Gewinn vor Körperschaftsteuer erwirtschaftet. Der Eigentümer möchte alle Gewinne nach Steuern als Dividende ausschütten.
Deutsche GmbH (München)
Bulgarische EOOD
Wichtiger Vorbehalt für in Deutschland ansässige Gesellschafter
Die bulgarische Zahl oben (171.000 € netto) setzt voraus, dass keine zusätzliche deutsche persönliche Steuerpflicht auf die Dividende besteht. Ob Deutschland diese Dividende besteuern kann, hängt von Ihrem Steuerwohnsitz, dem Deutschland–Bulgarien-DBA und — entscheidend — davon ab, ob die deutschen CFC-Regeln gelten. Siehe Abschnitt 6 unten.
6. Wann der Vorteil Wegfällt: Deutsche CFC-Regeln
Deutschlands Hinzurechnungsbesteuerung (§§ 7–14 Außensteuergesetz) soll verhindern, dass in Deutschland ansässige Gesellschafter passive Einkünfte in ausländischen Niedrigsteuergesellschaften parken. Die Regeln gelten, wenn:
- Eine in Deutschland ansässige Person mehr als 50 % einer ausländischen Gesellschaft kontrolliert, und
- Diese Gesellschaft „passive Einkünfte" erzielt (Kapitalerträge, Zinsen, Lizenzgebühren, bestimmte konzerninterne Dienstleistungsgebühren), und
- Die passiven Einkünfte am Entstehungsort mit weniger als 25 % besteuert werden.
Bulgariens 10-prozentiger Satz liegt weit unter der 25-prozentigen Schwelle, sodass passive Einkünfte CFC-zugerechnet werden, wenn alle drei Voraussetzungen erfüllt sind — effektiv in Deutschland besteuert, als wären sie bereits ausgeschüttet worden, unabhängig davon, ob Sie tatsächlich eine Dividende entnommen haben.
Aktive Geschäftseinkünfte werden anders behandelt. Wenn die bulgarische EOOD echte gewerbliche Tätigkeiten ausübt — echte Verträge mit echten Kunden, in Bulgarien getroffene Entscheidungen, echte lokale Präsenz — werden die Einkünfte als aktiv eingestuft, und die CFC-Zurechnung wird im Allgemeinen nicht ausgelöst, auch nicht beim 10-prozentigen Satz. Der Cadbury-Schweppes-Präzedenzfall auf EU-Ebene bietet zusätzlichen Schutz für echte Unternehmen.
Die praktische Konsequenz: Eine bulgarische EOOD eignet sich gut für deutsche Unternehmer, die ihren Steuerwohnsitz nach Bulgarien verlegt haben, oder die ein Unternehmen mit echter bulgarischer Substanz betreiben. Sie ist kein Vehikel zur Weiterleitung passiver Einkünfte aus Deutschland ins Ausland bei gleichzeitiger Beibehaltung des vollen deutschen Steuerwohnsitzes.
7. Rechtliche Strukturierung
Drei Strukturen werden von deutsch-verbundenen Unternehmern häufig genutzt:
Vollständige Steuerverlegung nach Bulgarien
183+ Tage pro Jahr in Bulgarien verbringen, Abmeldung beim deutschen Einwohnermeldeamt, Aufgabe des deutschen Steuerwohnsitzes. Sie zahlen dann bulgarische Einkommensteuer (10 %) auf Dividenden statt Abgeltungssteuer (25 %+). Der effektive Gesamtsatz sinkt auf ca. 14,5 %. Dies ist die sauberste Struktur — erfordert aber echte Verlagerung des Lebensmittelpunkts.
Aktive bulgarische Geschäftstätigkeit (in Deutschland ansässiger Gründer)
Beibehaltung des deutschen Steuerwohnsitzes, aber Aufbau echter bulgarischer Substanz: lokale Kunden, ein angestellter oder beauftragter bulgarischer Geschäftsführer, in Sofia abgehaltene Vorstandssitzungen, bulgarische Bankkonten für den operativen Cashflow. Aktive Einkünfte vermeiden die CFC-Zurechnung; erklärte und gezahlte Dividenden werden im Rahmen des DBA-Rahmens besteuert.
Holdinggesellschaftsstruktur
Eine bulgarische EOOD hält Anteile an operativen Tochtergesellschaften. Dividendeneinkünfte aus Tochtergesellschaften können für die EU-Mutter-Tochter-Richtlinie in Frage kommen (Mindestbeteiligung von 10 % für 12 Monate → 0 % Quellensteuer auf grenzüberschreitende EU-Dividenden). Wird von Gründern mit mehreren EU-Gesellschaften genutzt und erfordert spezialisierte Rechtsberatung.
8. Häufig Gestellte Fragen
Wie hoch ist der Körperschaftsteuersatz in Bulgarien im Vergleich zu Deutschland?
Bulgarien erhebt eine pauschale Körperschaftsteuer von 10 % ohne lokale Zuschläge. Deutschland kombiniert 15 % Körperschaftsteuer, ~0,825 % Solidaritätszuschlag und 14–17 % Gewerbesteuer, was einen effektiven Gesamtsatz von ca. 28–32 % ergibt.
Wie werden Dividendeneinkünfte besteuert, wenn ich eine bulgarische Gesellschaft aus Deutschland besitze?
Bulgarien behält 5 % auf Dividenden ein. Wenn Sie weiterhin in Deutschland steuerpflichtig sind, müssen Sie die Dividende in Deutschland erklären und können die bulgarische Quellensteuer auf Ihre Abgeltungssteuer anrechnen. Das DBA zwischen Deutschland und Bulgarien regelt den Anrechnungsmechanismus. Überprüfen Sie dies stets mit Ihrem Steuerberater.
Schützt das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland–Bulgarien vor Doppelbesteuerung?
Das Abkommen begrenzt Bulgariens Recht, in Deutschland ansässige Gesellschafter zu besteuern, und erlaubt die Anrechnung der bulgarischen Quellensteuer auf die deutsche Einkommensteuer. Das Abkommen hebt die deutschen CFC-Regeln für passive Einkünfte nicht auf.
Ist Bulgarien in der EU und verwendet es den Euro?
Ja. Bulgarien ist seit 2007 EU-Mitglied und hat am 1. Januar 2026 den Euro eingeführt. Dies eliminiert das Währungsrisiko und gewährt vollständigen SEPA-Zugang.
Welcher Mehrwertsteuersatz gilt in Bulgarien?
Der bulgarische Standard-Mehrwertsteuersatz beträgt 20 %. Für B2B-Dienstleistungen an EU-mehrwertsteuerregistrierte Unternehmen gilt das Reverse-Charge-Verfahren — bei grenzüberschreitenden EU-Rechnungen wird keine bulgarische Mehrwertsteuer berechnet.
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